Michael Sturminger
Tosca

Tosca

Tosca / 2021

Melodramma in drei Akten von Giacomo Puccini
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach La Tosca von Victorien Sardou

 

Wiederaufnahme
Sa 21. August 2021 – Di 31. August 2021
4 Vorstellungen

 

Puccinis Tosca ist ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Werk, und die Präzision und Ökonomie, mit der der Komponist einen hochemotionalen Stoff in pure musikalische Spannung verwandelt, ist einzigartig. Die auf zwei Stunden Musik verdichtete fiktive Handlung spielt zu einem genau bestimmten historischen Zeitpunkt und an drei historischen Orten in Rom, die man heute noch besichtigen kann: in der Kirche Sant’Andrea della Valle, im Palazzo Farnese und im Castel Sant’Angelo. Mit Floria Tosca, Mario Cavaradossi und ihrem skrupellosen Gegenspieler Scarpia hat Puccini alle drei Hauptfiguren des Stückes zu ikonenhaften Charakteren der Interpretationskunst gemacht. Seit Generationen verbinden Opernliebhaber legendäre Auftritte ihrer Lieblingssänger mit den einprägsamen Melodien von „E lucevan le stelle“, „Vissi d’arte“ und den überwältigenden Klängen des „Va! Tosca!“ zum „Te Deum“-Finale des ersten Aktes.
Der Maler Cavaradossi, der mit den Republikanern sympathisiert und den geflohenen Revolutionär Angelotti versteckt, gerät in die Fänge des Polizeichefs Scarpia. Scarpia wiederum benützt diese Situation, um der berühmten Sängerin Floria Tosca, Cavaradossis Geliebter, ein brutales Geschäft anzubieten: Wenn Tosca sich seinen Wünschen hingibt, will er Cavaradossi das Leben schenken. Um ihren Geliebten zu retten, lässt Tosca sich scheinbar auf den Handel ein … Im politischen Spannungsfeld von Machtmissbrauch und Intrige entspinnt sich ein Drama von Liebe, Eifersucht, sadistischem Begehren und psychischer wie physischer Gewalt zwischen den Polen Kunst, Religion und Politik. Dabei ist es die Musik, „die diese schwarze Geschichte vorantreibt und ihr innerhalb weniger Takte immer wieder überraschende Wendungen gibt — wie ein genialer Soundtrack zu einem Film noir“, erläutert Regisseur Michael Sturminger. „Bei Tosca geht es um Menschen in Extremsituationen. Es gibt vielleicht keine zweite Oper, die so präzise und knallhart möglichst intensive menschliche Emotionen darstellt, die Protagonisten einem andauernden Wechselbad der Gefühle aussetzt und damit eine singuläre musikalische Sogwirkung erzielt. Die Beziehungsgeschichte ist im Kern mit der Machtgeschichte und mit dem Thema ‚Künstler gegen repressiven Staat‘ verwoben, das Politische fungiert als Hebel für die emotionalen Zustände, und all das ist eingebettet in ein böses politisch-religiöses Machtspiel, das die Menschen brutal und zynisch den Interessen der Herrschenden opfert.“
Bei aller theatralischer Wirkung verliert Puccini seine aufklärerische Botschaft nie aus den Augen: Folter, Mord, Unterdrückung sind die unvermeidbaren Folgen unkontrollierter Macht und Willkür, seien sie politischer oder religiöser Art. Kein schockierendes Detail erspart der Komponist seinem Publikum. Nur zwei Jahre nach dem Mailänder Massaker, bei dem ein königlicher General 82 seiner gegen die Erhöhung der Brotpreise demonstrierenden Landsleute erschießen ließ, wussten Puccinis Uraufführungsbesucher, auf welcher Seite des politischen Spektrums sie sich die Figur des Scarpia vorstellen sollten und wie nahe das Unrecht war.
Anhand der Figuren und ihrer Konflikte lassen sich allgemeingültige Prinzipien menschlichen Verhaltens ablesen. „Wir haben es bei Tosca mit Protagonisten zu tun, die in historischen Räumen agieren und unter der Last der Geschichte leben, heute genauso wie zur Entstehungszeit der Oper. Die archaische Wucht des Stücks wird — indem wir es in unsere Gegenwart holen — nicht durch eine moderne Alltäglichkeit aufgehoben, sondern mit zeitgenössischen Menschen in einem neuen Licht gesehen, das auf ein bekanntes, klassisches Meisterwerk geworfen wird.“

Michael Sturminger, Jürgen Kestin

Leading Team
Marco Armiliato Musikalische Leitung
Michael Sturminger Regie
Renate Martin, Andreas Donhauser Bühne und Kostüme
Urs Schönebaum Licht

Besetzung
Anna Netrebko Floria Tosca
Yusif Eyvazov Mario Cavaradossi
Ludovic Tézier Il Barone Scarpia
Michael Mofidian Cesare Angelotti
Matteo Peirone Sagrestano
Mikeldi Atxalandabaso Spoletta
Rupert Grössinger Sciarrone
Alexander Köpeczi Un carceriere

Ensembles
Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
Wolfgang Götz Choreinstudierung
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

© SF / Matthias Horn